Offroad auf Sardinien mit dem Van: meine Erfahrungen im Sprinter 4x4

58 Tage auf Sardinien. Oktober bis Dezember. Mit einem 7 Meter langen, 4,2 Tonnen schweren Sprinter 4x4. Kein Reiseblog, keine Highlights-Sammlung. Dieser Artikel zeigt, wie Offroad auf Sardinien wirklich funktioniert: was erlaubt ist, was passiert, wenn es schief geht, und warum die Insel trotzdem eine der besten Offroad-Destinationen fuer Vans ist.

Warum Sardinien für Offroad mit dem Van geeignet ist

Mehr als Küste und Campingplätze

Sardinien hat den Ruf als Strand-Insel. Tuerkisblaues Wasser, Campingplaetze mit Meerblick, das volle Vanlife-Klichee. Das gibt es, wenn du zur richtigen Zeit vor Ort bist. Und es ist komplett ueberlaufen, teuer und reglementiert. Die Locals sind nicht immer gut auf Camper zu sprechen, vor allem wenn sie keinen Platz mehr fuer ihre eigenen Fahrzeuge finden.

Was die meisten unterschätzen: das Hinterland. Schroffe Berge, Felsformationen, freilaufende Schafe, Rinder, Ziegen, Pferde, Schweine. Absolute Einsamkeit. Atemberaubende Aussichten. Schöne Pisten.

Warum Offroad hier anders ist

Innerhalb weniger Stunden wechselst du von kargen Hochebenen zu dichten Wäldern, von Schotterpisten im Hinterland zu Blicken aufs Meer. Viele Wege wirken unscheinbar und fuehren in Gegenden, in denen du stundenlang niemandem begegnest. Kein Laerm, kein Verkehr.

Was die Insel besonders macht, ist ihre Zurueckhaltung. Keine ausgeschilderten Offroad-Spots, keine Inszenierung. Viele Wege existieren nicht, weil jemand sie fuer Reisende angelegt hat, sondern weil Bauern, Jaeger oder Locals sie brauchen. Nicht beschildert. Nicht beworben. Du entscheidest selbst, wo du faehrst, wann du umdrehst und wo Schluss ist.

Und dann sind da die Begegnungen. Ein Bauer, der freundlich winkt. Ein alter Fiat Panda 4x4, der dir auf der Piste entgegenkommt. Jaeger, die nach ihren Hunden suchen. Der Ziegenzuechter Gionata, der seit er lebt in seiner kleinen Steinhütte mit Holzfeuer wohnt. Offroad auf Sardinien ist kein Abenteuer zum Vorzeigen. Es ist eines zum Erleben.

Fuer wen es geeignet ist und für wen nicht

Für alle, die ihr Fahrzeug als Werkzeug verstehen, nicht als Ausstellungsstück. Fuer Fahrerinnen und Fahrer mit ausreichender Bodenfreiheit und AT-Bereifung. Kratzer gehoeren dazu. Wer bei jedem Astkontakt zusammenzuckt, wird auf Sardinien nicht gluecklich.

Grosse Trucks und hohe Aufbauten haben es schwer. Mein Sprinter mit 2,85 Meter Höhe hat einige Narben am Dach und an den Seiten gesammelt. Vieles entsteht nicht auf der Piste selbst, sondern durch zugewachsene Zufahrten und schmale Dorfstrassen. Wer mit Anhaenger unterwegs ist, sollte ein festes Basislager einplanen und von dort Tagesausfluge machen.

Im Vergleich zu Spanien oder Portugal: dort ist Offroad staerker institutionalisiert. Sardinien verlangt mehr Eigenverantwortung. Dafuer bekommst du echte Abgeschiedenheit und Landschaften, die nicht darauf ausgelegt sind, konsumiert zu werden.

Was erlaubt ist, was geduldet wird und wo es Ärger gibt

Die rechtliche Lage

Rechtlich wird in Italien nicht zwischen sanftem und hartem Offroad unterschieden. Relevant ist allein, ob du dich auf einem zugelassenen Weg bewegst.

Klar verboten:

  • Fahren abseits von Wegen
  • Befahren von Stränden, Dünen oder Küstenzonen
  • Fahren in Naturschutzgebieten ohne explizite Freigabe
  • Querfeldein fahren, auch wenn Spuren vorhanden sind

Besonders streng sind die Regeln an der Küste. Hier greifen zusaetzlich Umweltgesetze und regionale Verordnungen. Die relevante Rechtsgrundlage ist das Gesetz Nr. 394/1991 (Legge Quadro sulle Aree Protette). Bussgelder im vier- bis fünfstelligen Bereich sind bei Strandbefahrung keine Seltenheit.

Wildcampen und die Forestale

Wildcampen ist auf Sardinien grundsätzlich verboten. Zuständig fuer Kontrollen ist haeufig die Forestale, die Forstpolizei. Sie ist keine Freizeitpolizei, sondern eine Umweltschutzbehoerde. Sie kontrolliert nicht flächendeckend, aber gezielt: Küsten, Schutzgebiete und bekannte Problemstellen.

In der Praxis gilt: Je sichtbarer dein Campingverhalten, desto wahrscheinlicher eine Kontrolle. Stühle, Markise, offenes Kochen, mehrere Fahrzeuge: all das erhöht das Risiko erheblich.

Ich war 58 Tage auf Sardinien und davon 50 Tage frei gestanden. Keinen einzigen Konflikt. Mein Verhalten: keine Möbel aussen, keine Markise, kein Feuer, Keile nur mit natürlichem Material, Müll immer mitgenommen. Das Fahrzeug steht immer so, dass es nach Parken aussieht, nie nach Wohnen.

Einmal standen wir mit zwei Vans auf einem Plateau, als die Polizei mit vier Mann eine Strassenkontrolle aufbaute. Wir fragten, ob wir wegfahren sollen. Die Männer winkten nur ab. Aber ich war von Oktober bis Dezember unterwegs, die Insel war leer. Zur Hauptsaison wird das anders sein.

Warum das Teilen von Tracks ein Wespennest ist

Das öffentliche Teilen von Offroad-Tracks ist einer der grössten Streitpunkte in der Community. Wenn Tracks offen geteilt werden, werden Wege stärker frequentiert, Schäden nehmen zu, Anwohner beschweren sich und Behörden reagieren mit Sperrungen. Viele heute gesperrte Strecken waren früher geduldet. Sie wurden geschlossen, weil zu viele Fahrzeuge unterwegs waren.

Deshalb findest du in diesem Artikel keine Tracks. Ich teile meine Routen nur persönlich oder gar nicht. Ich habe den käuflichen Offroad Atlas Sardinien von FolyMap genutzt. Finde ich gut, dass solche Karten existieren? Nicht wirklich. Je leichter zugänglich die Tracks sind, desto mehr Fahrzeuge gurken durch die Natur. Wer nicht bereit ist, Karten selbst zu lesen und Wege auszuprobieren, hat dort draussen nichts verloren.

Verhalten entscheidet ueber Toleranz

Auf Sardinien entscheidet nicht dein Fahrzeug, sondern dein Verhalten.

Was Toleranz schafft: kein Querfeldeinfahren, kein Befahren sensibler Flächen, kein Campen an offensichtlichen Hotspots, kein Müll, kein Lärm, freundlicher Kontakt mit Locals.

Was Toleranz zerstoert: Ignorieren von Schildern, Spuren hinterlassen, Social-Media-Hotspots produzieren.

Offroad auf Sardinien ist kein Recht. Es ist ein Privileg, das jederzeit verschwinden kann. Am Monte Limbara begegneten uns auch Wanderer, die von unserem Sprinter gar nicht begeistert waren. Zurückhaltung und ein Lächeln sind da genau richtig.

Mit dem Sprinter 4x4 Offroad auf Sardinien

Ich war mit einem Sprinter 4x4 L3 H2 unterwegs. Sieben Meter lang, 4,2 Tonnen schwer. Kein Eisdielenfahrzeug. Arbeitsgeraet. Mit dritter Blattfeder hinten, 4 cm Hoherlegungssatz, Unterbodenschutz für Motor, Differential und Stossdämpferaufnahmen.

Bodenfreiheit, Böschungswinkel, Rampenwinkel

Bodenfreiheit und Unterfahrschutz haben sich mehrfach bezahlt gemacht. Steine, ausgewaschene Passagen, Kanten, die man erst spaet sieht. Ohne Motorschutz haette ich mir mindestens einmal ernsthaft Sorgen gemacht.

Der Rampenwinkel war, wie schon in Bosnien, ueberraschend unkritisch. Trotz sieben Meter Laenge. Sardinien hat selten extreme Kuppen, sondern eher lange, unebene Passagen. Wer versucht, mit einem Sprinter Dinge zu fahren, die ein Defender oder Jimny gerade so schafft, hat das Konzept nicht verstanden.

Ein Sprinter ist ein Overlander, kein Offroad-Fahrzeug.

Allrad vs. Heckantrieb in der Praxis

Allrad ist auf Sardinien kein Luxus. Er ist Entspannung. Nicht, weil man ständig im Schlamm steckt, sondern weil lose Schotterpisten plötzlich steiler werden, nasse Erde rutschiger ist als gedacht und ausgewaschene Kehren ein sicheres Anfahren brauchen. Mit Heckantrieb geht vieles. Mit Allrad geht es souveräner.

Mein Sprinter 907 hat den Werksallrad. Genau den, ueber den so viele Stammtisch-Fachleute schimpfen. Ich habe bisher noch keine einzige Passage erfahren, die er nicht geschafft haette. Der Endgegner fehlt mir noch.

Länge und Breite in der Praxis

Sieben Meter klingen nach viel. Im Gelände war die Länge nie das Problem. Er fährt ueber ruppige Passagen viel ruhiger als ein kürzerer Sprinter, der längere Radstand hilft. In Dörfern schon eher: enge Gassen, Steinmauern, parkende Autos. Auf Serpentinen im Hinterland musste ich gelegentlich zurücksetzen. Das ist Alltag mit einem grossen Fahrzeug, kein Drama.

Wo ein Sprinter kann und wo Schluss ist

Er kann: legale Schotter- und Wirtschaftswege, ausgewaschene Pisten, abgelegene Zufahrten, steile lose Anstiege, laengere Offroad-Passagen ohne Stress.

Er sollte nicht: extrem enge zugewachsene Trails erzwingen, alte Maultierpfade fahren, auf Teufel komm raus weiterfahren, nur weil Allrad vorhanden ist.

Er bringt dich weit. Aber nicht überall. Genau dieses Mass an Einschränkung sorgt dafuer, dass man bewusster fährt.


Die besten Regionen für Offroad auf Sardinien

Hinterland: Berge, Schotter, Einsamkeit

Das Hinterland ist der Kern. Berge, Hochebenen, schmale Schotterwege, ausgewaschene Passagen. Roh. Unaufgeraeumt. Du brauchst viel Konzentration, auch auf Teer. Die Sarden haben einen schonungslosen Fahrstil. Ich sage mal so: in Hanoi auf dem Roller eines zweifelhaft nüchternen Grab-Fahrers habe ich mich meistens sicherer gefühlt als im eigenen Van auf sardischen Bergstrassen. Gewöhne dir an, jede Kurve akribisch auszufahren. Der Gegenverkehr macht es meistens nicht.

Du bist oft komplett allein. Wetter schlaegt schneller um. Nachts wird es kalt. Der Untergrund wechselt abrupt. Deck dich gut mit Vorräten ein. Es wäre ägerlich, einen Traumspot wegen nahendem Hungertod verlassen zu müssen.

Ostküste: mein persönlicher Favorit

Die Ostküste ist mein persoenlicher Favorit für längere Offroad-Etappen. Gute Mischung aus fahrbaren Pisten, Höhenzuegen und Zugang zum Meer. Milderes Klima als im Westen, weniger Wind, gerade in der Nebensaison ein großer Vorteil. Die Fahrbarkeit ist besser als im Hinterland. Du kannst Offroad fahren und trotzdem regelmäßig einkaufen oder Wasser auffüllen.

Westküste: rau, windig, anspruchsvoll

Die Westküste ist mental fordernder. Mehr Wind. Mehr Weite. Wenn das Wetter kippt, kippt es hier richtig. Ich bin dort meist weitergefahren, nicht weil sie nicht beeindruckend ist, sondern weil sie mit dem Van mehr Aufmerksamkeit verlangt.

Süden: der richtige Einstieg

Insgesamt zugaenglicher. Milderes Klima, breitere Wege, dichtere Infrastruktur. Mehr legale Wege, weniger abrupte Wechsel. Für Einsteiger und größere Fahrzeuge der richtige Startpunkt. Weniger Drama, dafuer ein gutes Gefühl fuer die Dynamik der Insel.

Im Südwesten findest du den bekannten "Roten Fluss" und verlassene Bergbauanlagen.

Sardinien ist keine Insel mit einer Offroad-Region. Es ist eine Insel mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Wer versteht, wo was funktioniert, bekommt Freiheit.

Offroad Atlas, Wikiloc und Satellitenkarte

Den Offroad Atlas Sardinien von FolyMap habe ich genutzt. Er zeigt legale Wege und gibt Hinweise zu Sperrungen. Für eine erste Übersicht funktioniert er, meine inhaltliche Einschränkung dazu steht weiter oben.

Wikiloc nutze ich, aber nicht gerne. Der Filter Wohnmobil liefert meist nur Teerstrassen. Der Filter Offroadfahrzeug garantiert Schotter, aber auch die Gefahr einer Sackgasse. Meistens fehlt die Angabe, mit welchem Fahrzeug gefahren wurde. Und: Per Default wird jede aufgezeichnete Strecke öffentlich geteilt. Explizit auf Privat stellen.

Die Google Maps Satellitenkarte ist mein wichtigstes Werkzeug. Man kann abschätzen, wie dicht bewachsen ein Track ist und wie eng die Kehren sein könnten. Folge der Navigation trotzdem erst nach eigener Prüfung der Wegführung. Ich habe einmal den Fehler gemacht, ihr blind zu vertrauen. Das Ergebnis: sehr viele Kratzer und ein Wendemanöver in 27 Zügen. Die Strecke war spannend. Ans Ziel hat sie mich nicht geführt.

Wetter, Regen und spontane Streckensperren

Sardinien besteht aus viel Sand, lockerem Geroell und bruechigen Felsen. Wenn es regnet, aendern sich Pisten schnell. Tiefe Auswaschungen entstehen innerhalb von Stunden.

Die Sarden kennen die Gefahr ploetzlicher Hochwasser. Man sieht haeufig Warnschilder und scheinbar mitten auf Landstrassen Schranken, dahinter ein Flussbett. Ich habe selbst einen Fluss mit ca. 30 cm Tiefe auf 12 Meter Breite passiert. Auf dem Rueckweg zwei Tage spaeter war nicht zu erkennen, dass da je Wasser war. Im Hinterland setzen die Sarden inzwischen oft direkt auf Furten statt auf Bruecken.

Bei schlechtem Wetter immer pruefen, wo man hinfaehrt, und damit rechnen, dass der Rueckweg abgeschnitten sein koennte.

Wo es anstrengend wird, und warum das dazugehört

Geometrie schlägt Mut

Offroad auf Sardinien scheitert selten an Lust. Es scheitert an Geometrie. Zu runde Brücken. Zu steile Kanten. Übergänge, die auf der Karte harmlos aussehen und in der Realität genau im falschen Winkel liegen. Du merkst es oft zu spät. Vor dir eine alte Steinbrücke. Der Knick ist zu rund. Du kommst nicht drüber, ohne aufzusetzen. Also Rückwärtsgang. Rangieren. Umkehren.

Sackgassen gehören dazu. Wege, die plötzlich enden. Tore, die früher offen waren. Sardinien ist nicht durchoptimiert. 

Ich hatte aber eher in kleinen Dörfern Schwierigkeiten, als im Gelände. 

Wind, Nächte, Dachzelt

Der Wind ist ein unterschätzter Gegner. Vor allem an der Westküste und in höheren Lagen. Böig, laut, ausdauernd. Mit Van geht das noch. Mit Dachzelt wird es unangenehm. Wer Offroad romantisiert und nur an Sonnenuntergänge denkt, wird hier geerdet.


Technik, Missgeschicke, Improvisation

Irgendwann spinnt etwas. Elektrik, Batterien, Gas. Sardinien ist kein Ort, an dem du schnell Ersatz bekommst. Keine flächendeckenden Werkstätten für Campertechnik. Improvisation gehört dazu. Dazu kommen Missgeschicke: festgefahren, aufgesetzt, ein Stein am Unterboden. 
Es lohnt sich gängige Ersatzteile dabei zu haben, um seine wertvolle Urlaubszeit nicht zu verschwenden.
Kochst du mit Gas? Achte darauf, ausreichend Gas dabei zu haben. Auf Sardinien findest du die europäischen Gasflaschen nicht.

Alleine fahren

Alleine Offroad zu fahren ist eine andere Nummer. Jede Entscheidung wiegt schwerer. Kein zweites Fahrzeug, kein schnelles Backup. Du steigst öfter aus. Du gehst Strecken zu Fuss ab. Du brichst früher ab. Mental anstrengend. Gleichzeitig schärft es den Blick. Du wirst ruhiger, präziser, hörst besser auf dein Bauchgefühl.
Das Gute: Sollte wirklich etwas schief gehen und du steckst irgendwo richtig fest: Es geht nicht um Leben und Tod, du könntest jederzeit zu Fuß Hilfe holen, auch wenn es ein paar Kilometer Fußmarsch bedeutet.

Alltag beim Offroad-Reisen auf Sardinien

Wasser, Strom, Heizung

Wasser auffüllen ist einfach. Ueberall gibt es öffentliche Brunnen. Stell dich darauf ein, dass Druck oder Anschluss nicht immer ausreichen, um einen Tank per Schlauch zu befüllen. Eine Gießkanne an Bord schadet nicht.

Deutsche Gasflaschen lassen sich auf Sardinien nicht tauschen oder nachfüllen. Nimm ausreichend Vorrat mit.

Strom ist in der Hauptsaison kein Problem. Im Winter schon. Ich hatte ein defektes Batteriesetup: nur 280 von 560 Ah. Im Dezember bedeutete das einmal pro Woche eine Stromsäule. Von November bis April haben 90 Prozent der Einrichtungen geschlossen. Ich bin deshalb immer wieder zu Camping Girasole gefahren.

Ordnung und Stauraum im Van

Wer längere Zeit offroad fährt, weiß: Stauraum, der nicht funktioniert, kostet Energie. Alles fliegt, alles verrutscht, du weißt nicht, wo was ist. Im Van habe ich klare Systeme. Alles hat einen Platz. Alles ist zugänglich.

Ich nutze tjuub Organizer aus LKW-Plane. Kein Plastik, das bricht. Kein Stoff, der nach einer Saison aussieht wie acht. Plane übersteht, was Nylon nicht übersteht. Wer auf Pisten fährt, die alles durchschütteln, will ein Ordnungssystem, das das aushält.

Arbeiten unterwegs

Ich bin Unternehmerin. Ich lebe und arbeite im Van. Mein Rhythmus: 3 bis 5 Tage an einem Ort stehen, fahren wenn es passt, arbeiten wenn es nötig ist.

Netz im Hinterland: schlecht bis nicht existent. Ich habe Starlink an Bord. Ohne wäre ich aufgeschmissen gewesen. Im Dezember liefen Heizung, Lüftung und Wechselrichter viel, Solar lieferte fast nichts. Wer das weiß und plant, kommt damit klar. Wer es nicht weiß, steht irgendwann mit leerem Akku im Nirgendwo.

Beste Reisezeit für Offroad auf Sardinien mit dem Van

Frühling (März bis Mai)

Viel Grün, weniger Touristen, wechselhaftes Wetter. Pisten können nach dem Winter stark ausgewaschen sein. Gut für alle, die nicht auf Hitze angewiesen sind.

Sommer (Juni bis August)

Trocken, sehr heiß, volle Küste, strenge Kontrollen. Viele Wege in Brandzonen gesperrt. Wildcampen kaum toleriert. Für Offroad mit Van die schlechteste Zeit.

Herbst (September bis November)

Klares Licht, weniger Menschen, milde Temperaturen, gute Pisten, weniger Kontrollen. Die beste Kombination aus Freiheit und Komfort. Meine klare Empfehlung.

Winter (Dezember bis Februar)

Die Insel ist fast leer. Einrichtungen geschlossen. Kälter als erwartet, starker Wind, Solar liefert wenig. Wer autark ist und Einsamkeit mag, erlebt Sardinien am intensivsten. Nicht für Anfänger.

Für wen sich Offroad auf Sardinien lohnt

Es passt zu dir, wenn:

  • du kein tägliches Highlight brauchst
  • du autark bist: Wasser, Strom, Toilette, Internet
  • Kratzer am Fahrzeug kein Problem sind
  • du Respekt vor Locals, Land und Regeln mitbringst
  • du eher einen Gang rausnimmst als eskalierst

Es passt nicht zu dir, wenn:

  • du jeden Abend sicher stehen und entsorgen willst
  • du Vollversorgung erwartest
  • Offroad für dich bedeutet, möglichst weit zu gehen
  • Regeln für dich optional sind
  • du mit Anhänger spontan Strecken kombinieren willst

Mein Fazit: Offroad auf Sardinien mit Verantwortung

58 Tage. 50 davon frei gestanden. Keine Polizeiprobleme. Keine Bergungskosten. Viele Kratzer. Eine Insel, die ich noch nicht vollständig kenne und die ich wieder besuchen werde.

Sardinien ist kein einfaches Reiseziel für Offroader. Es ist ein ehrliches. Die Insel gibt dir viel, wenn du ihr mit Respekt begegnest. Und sie zeigt dir schnell, wer du wirklich bist, wenn niemand zuschaut.

Für Vanlife und Offroad ist Sardinien eines der besten Reiseziele in Europa. Nicht wegen der Pisten. Wegen der Kombination: Abgeschiedenheit, Schönheit, Weite. Und weil die Insel dich zwingt, mit weniger auszukommen und trotzdem mehr zu erleben.

Was ich das nächste Mal anders mache: mehr Batteriekapazität. Starlink früher einschalten. Im Norden mehr Zeit einplanen. Und den Sprinter früher auf Marderschutz checken.

Was ich gleich lasse: alleine fahren. Langsam fahren. Umkehren, wenn es keinen Sinn mehr macht.

FAQ: Offroad auf Sardinien mit dem Van

Ist Offroad auf Sardinien erlaubt?

Teilweise. Erlaubt ist das Befahren öffentlicher, nicht gesperrter Wege, auch wenn sie unbefestigt sind. Verboten sind Querfeldeinfahren, Strandbefahrung, Fahren in Naturschutzgebieten ohne Freigabe und Wege mit Fahrverbot. Rechtsgrundlagen: Codice della Strada, Gesetz Nr. 394/1991, regionale Vorschriften Sardiniens. Bußgelder bei Strandbefahrung können im vier- bis fünfstelligen Bereich liegen.

Kann ich auf Sardinien wildcampen?

Wildcampen ist auf Sardinien grundsätzlich verboten. In der Praxis wird es in der Nebensaison abseits von Küste und Schutzgebieten oft toleriert, wenn man sich unsichtbar verhält: keine Möbel außen, kein Feuer, kein Müll, Fahrzeug wirkt geparkt, nicht bewohnt. Zur Hauptsaison deutlich strikter kontrolliert.

Brauche ich einen Sprinter 4x4 oder Allrad?

Nein. Viele legale Pisten sind auch mit Heckantrieb fahrbar. Wichtiger als der Antrieb sind Bodenfreiheit, Fahrkönnen und Erfahrung im Gelände. Ein Sprinter 4x4 bietet mehr Reserve bei losem Untergrund, Steigungen und Nässe, ist aber keine Pflicht.

Ist Sardinien für große Vans und Wohnmobile geeignet?

Ja, mit Einschränkungen. Im Gelände ist die Breite oft kritischer als die Länge. Starker Überhang und wenig Bodenfreiheit sind limitierend. Herausfordernd sind vor allem enge Dörfer und Zufahrten, weniger die Pisten selbst. Rücksetzen gehört zum Alltag.

Wann ist die beste Reisezeit für Offroad auf Sardinien?

Herbst: September bis November. Weniger Touristen, milde Temperaturen, klares Licht, gute Pisten, weniger Kontrollen. Sommer ist für Offroad mit Van die schlechteste Zeit: Hitze, volle Küste, Streckensperrungen wegen Brandgefahr. Winter ist intensiv und ruhig, aber viel Infrastruktur geschlossen.

Welche Navigation eignet sich für Offroad auf Sardinien?

Die Google Maps Satellitenkarte ist das wichtigste Werkzeug. Der Offroad Atlas Sardinien von FolyMap gibt einen Überblick zu legalen Wegen. Wikiloc ist nützlich, aber für Vans wenig gefiltert. Eigenes Kartenlesen und Satellitenbild-Prüfung vor jeder Fahrt sind unverzichtbar.

Über die Autorin

Ich bin Dagmar und lebe seit März 2024 in meinem Sprinter. Den Mercedes Sprinter 4WD habe ich im Februar 2023 als Neuwagen abgeholt und bin in 24 Monaten 56.000 Kilometer durch Deutschland, Frankreich, Dänemark, Bosnien und Herzegowina, Sardinien, Österreich, Slowenien und Marokko gefahren.

Vanlife ist für mich kein Instagram-Poesiealbum. Ich mache echte Alltagserfahrungen und nutze mein Fahrzeug 24/7 als Lebensmittelpunkt. Alles, was ich im Campervan fahre und nutze, muss kompromisslos funktionieren. Auch die Taschen.

Mein Fahrzeug: Mercedes Sprinter 4x4 907, Baujahr 2023, 190 PS, 4,2 Tonnen, 7 Meter. Ausgebaut von Frankia, Modell Yukon. Umgerüstet mit Almont Unterfahrschutz, Komposttoilette, 560 Ah Batterien, dritter Blattfeder, Höherlegung, BF Goodrich AT-Reifen und Starlink.


Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen