Sardinien mit dem Van im Herbst & Winter – Erfahrungen, Tipps & Routen | tjuub
Warum Sardinien. Warum Van. Warum genau diese Jahreszeit.
28. Oktober bis 23. Dezember. 7 Meter Sprinter 4x4. Kein Sommermärchen, sondern echtes Unterwegssein.
Warum Sardinien mit dem Van eine besondere Reise ist
Sardinien ist kein klassisches Vanlife-Ziel
Überwintern mit dem Van, da denken viele an Portugal, Spanien oder Griechenland.
Sardinien ist für Vanlifer und Urlauber im Winter mit dem Campervan nicht das Ziel, an das zuerst gedacht wird. Zum einen gibt es ab Ende Oktober sehr wenig Infrastruktur, zum anderen ist das Wetter nicht so beständig, wie in den anderen Ländern.

Genau das macht Sardinien im Winter so gut
Letztlich ist es aber genau das, was es für mich so interessant macht. Ich lebe und arbeite im Van. Es ist gut, wenn nicht wochenlang graues Regenwetter ist. Ich brauche aber auch nicht mehr als 20 Grad. Lieber ziehe ich einen Sweater an, als im Sitzen zu schwitzen.
Die Billigfluglinien reduzieren ihr Angebot an Flügen nach Sardinien im Oktober und stellen die Flüge im November ganz ein. Der einzige Weg auf die Insel ist die Fährüberfahrt oder der Flug von einer größeren italienischen Stadt auf dem Festland. Die Hotels, Appartements und Garni sind über den Winter geschlossen.
Das bedeutet, dass kaum Touristen vor Ort sind.
Die Strände und Städte gehören wieder den wenigen Locals.
Keine Partys, kein Lärm. Man hört nur die Natur.

Sardinien im Oktober mit dem Van
Ich bin mit dem Camper am 28. Oktober per Fähre von Livorno nach Olbia am Tag gefahren.
Wetter auf Sardinien im Oktober
Das Wetter auf Sardinien ist im Oktober, es scheint überwiegend die Sonne. Es gibt nur ca. 5 Regentage im Monat.
Bei unserer Ankunft hatte es am Abend um 19:30 noch 20 Grad.
Die Tagestemperaturen schwanken zwischen 18 und 25 Grad.
Im Windschatten ist es richtig heiß.
Nachts liegen die Temperaturen bei ca. 15 Grad. An den Küsten ist es immer wärmer, als in den Bergen.
Die Sonne geht in Olbia fast 40 Minuten später unter, als in Berlin, du hast also spürbar mehr vom Tag.
Baden kannst du noch, das Meer hat immer noch 20 Grad, besonders an der Ostküste in den geschützten Buchten ist das Wasser sehr angenehm. Perfekte Bedingungen für Camper auf Sardinien.
Vorteile im Oktober
Sardinien mit dem Van hat im Oktober eine Menge Vorteile. Etwa die Hälfte der vorhandenen Campingplätze hat bis zum letzten Oktoberwochenende auf. Es gibt also ausreichend Infrastruktur.
Es wird deutlich leerer auf der Insel, die Strände und Plätze sind nicht mehr gerammelt voll.
Das Wetter ist perfekt für schöne Wanderungen, aber auch für Strandtage.
Die Locals holen sich die Insel zurück und du darfst das echte Sardinien erleben.
Im Herbst gibt es auf Sardinien viele tolle Dorffeste, die einen Besuch wert sind.
Nachteile im Oktober
Wenn du auf der Suche nach Beach-Bars und Partys bist, dann wirst du im Oktober mit dem Van auf Sardinien nicht glücklich. Die Bars, Clubs und Restaurants schließen ab Oktober für den gesamten WInter.
Es ist nicht selbstverständlich, in jedem Ort eine Pizzeria zu finden, und die Angaben auf Google zu den Öffnungszeiten stimmen häufig nicht. Stelle dich also darauf ein, dass du bei Restaurants, Bars und sogar manchen Supermärkten vor verschlossenen Türen stehst, obwohl sie laut Google offen haben sollten.
Das Gleiche kann dir auch mit Campingplätzen oder Wohnmobilstellplätzen passieren.
Brauchst du zwingend einen Platz mit Versorgung, rufe vorher an, um sicherzustellen, dass der Platz geöffnet ist.
Sardinien im November mit dem Van
Wie warm ist es im November auf Sardinien wirklich?
Ich habe den kompletten November auf Sardinien im Campervan verbracht. Nicht nur an den Küsten, sondern auch viel im Hinterland. Also kein punktueller Eindruck, sondern Alltag.
Sardiniens Vorteil ist die Größe der Insel. Du bist in zwei bis drei Stunden von der Ostküste an der Westküste. Das ist Gold wert. Wenn sich über mehrere Tage schlechtes Wetter ankündigt, setzt du einfach um. Das habe ich mehrfach gemacht um Regentagen aus dem Weg zu gehen.
Grundsätzlich hatte ich im November überwiegend sonniges Wetter. Es gab wenige Regentage, eher Regenstunden. Dass es den ganzen Tag durchgeregnet hat, habe ich nicht erlebt.
Ich habe mich bewusst viel im Hinterland aufgehalten. Dort ist das Klima deutlich wechselhafter. In den Bergen kann es nachts auf 0 bis 5 Grad abkühlen. Teilweise war es morgens richtig frisch. Eine Standheizung an Bord ist kein Luxus, sondern ein Muss.
Tagsüber sieht die Welt oft ganz anders aus. Wenn die Sonne scheint, sind auch im November 18 bis 20 Grad drin. Sitzt du im Windschatten, fühlt sich das schnell nach kurzer Hose und T-Shirt an.
An den Küsten ist es insgesamt milder. Die Ostküste ist spürbar ruhiger und etwas wärmer als die rauere Westküste. Dort weht öfter Wind, was die Temperaturen kühler wirken lässt, auch wenn das Thermometer Ähnliches zeigt.
Für deine Packliste heißt das ganz konkret: Lange Hose und Pullover sind Pflicht. Eine Regenjacke ebenso. Eine dicke Winterjacke habe ich im November nicht gebraucht. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, zwischen Küste und Hinterland sind hoch. Genau das macht Sardinien im November aus.
Meine Dieselheizung lief jeden Tag.

Kann man im November auf Sardinien noch baden?
Die ehrliche Antwort ist: Das ist Geschmackssache. Eine klare Ja-oder-Nein-Antwort gibt es hier nicht.
Machen wir uns nichts vor. Die Temperatur eines kompletten Meeres ändert sich nicht von heute auf morgen. Das Mittelmeer hat im November an den sardischen Küsten in der Regel noch etwa 18 bis 20 Grad.
In geschützten Buchten, vorwiegend an der Ostküste, ist das Wasser oft sogar einen Tick angenehmer als an der offeneren, raueren Westküste.
Ob du baden gehst oder nicht, hat im November weniger mit dem Wasser selbst zu tun als mit der Außentemperatur und deinem Kälteempfinden.
Ich war im November nicht baden. Immer wenn das Wetter ausreichend warm war und ich Lust auf Abkühlung gehabt hätte, stand ich entweder im Hinterland oder an Stränden mit schroffen Klippen oder großen Seegrasfeldern. Dort hatte ich keine Lust, ins Wasser zu gehen.
Freunde von mir waren dagegen regelmäßig baden. Für sie war das überhaupt kein Thema.
Grundsätzlich kann gesagt werden: Ja, man kann auf Sardinien im November noch baden. Ob du es willst, entscheidet weniger das Meer als dein eigenes Empfinden.

Was sich im November auf Sardinien verändert
Ab November kippt die Infrastruktur spürbar. Gefühlt machen 95 Prozent aller Campingplätze und Wohnmobilstellplätze zum letzten Oktoberwochenende zu. Das ist keine Kleinigkeit, sondern der größte Unterschied zur Reisezeit davor. Sardinien wird leiser, freier, aber auch deutlich unbequemer, wenn du nicht vorbereitet bist.
Wenn du keinen autarken Camper hast, kann der November schnell anstrengend werden. Dann bist du auf den Umkreis der wenigen geöffneten Campingplätze und Versorgungsmöglichkeiten angewiesen oder musst viel fahren. Wasser auffüllen ist kein Problem. Wirklich schwierig ist die Müllentsorgung und für Camper mit Chemietoiletten.
Müll loszuwerden, ist auf Sardinien generell nicht einfach. Es gilt eine strikte Mülltrennung und es gibt kaum öffentliche Mülltonnen. Ganz anders als zum Beispiel in Frankreich oder Bosnien. Wenn du überhaupt einen öffentlichen Mülleimer findest, ist er meist winzig. Selbst vor Supermärkten stehen oft keine. In manchen Regionen gibt es öffentliche Entsorgungsstationen, die nur per QR-Code zu öffnen sind. In anderen Gegenden findest du bewachte Wertstoffhöfe. Dort hatte ich Glück. Die Mitarbeiter waren freundlich und haben mir erlaubt, meinen Müll zu entsorgen.
Ich bin relativ schnell dazu übergegangen, im Wohnmobil wirklich konsequent Müll zu trennen. Plastik, Papier und Glas machen nun mal den größten Teil des Volumens aus. Das habe ich gesammelt, in eine robuste Planentasche gepackt, die pflegeleicht ist.
Das fängt nicht an zu stinken und lässt sich gut lagern. Der eigentliche Restmüll fällt dann deutlich kleiner aus. Den habe ich gelegentlich an einer Tankstelle, mal an einem Supermarkt oder auch in einem Ort entsorgt. Das ist nicht ideal und wirklich nur die letzte Lösung. Wenn es möglich war, habe ich immer gewartet, bis eine legale Entsorgung auf einem Campingplatz oder Stellplatz machbar war.

Zusammengefasst heißt das: Es gibt deutlich weniger Service. Für Menschen, die mit Dachzelt unterwegs sind oder mit einem kleinen Van ohne Heizung, ohne eigene Dusche, ohne Trockentrenntoilette und nur mit Chemietoilette, kann der November auf Sardinien schnell anstrengend werden. Die ständige Recherche nach Entsorgungsmöglichkeiten kann dir die Freude an der Reise nehmen.
Ich habe eine Komposttoilette an Bord und mein Sprinter-Van ist so ausgestattet, dass ich etwa zehn Tage autark stehen kann. Dieses Jahr auf Sardinien hat allerdings meine Elektrik mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Batterie und Elektronikset haben gesponnen. Mit permanent laufender Heizung und Wechselrichter für Starlink waren die Batterien nach 5-6 Tagen leer.
Zum Thema Freistehen sage ich später noch etwas. Nur so viel vorweg: Im November sind deutlich weniger Touristen auf der Insel. Dadurch entstehen auch mehr Freiheiten. Polizei und Locals scheinen die wenigen Camper, die sich respektvoll verhalten, weitgehend zu tolerieren. Dazu schreibe ich weiter unten ausführlicher.
Sardinien im Dezember mit dem Van
Wie ist das Wetter auf Sardinien im Dezember wirklich?
Der Dezember auf Sardinien war sehr spannend.
Von 18 Grad und T-Shirt-Wetter, 7 strömendem Dauerregen und 15 Zentimeter Schnee über Nacht war alles dabei.
Der Schnee war aber wirklich ein besonderes Ereignis und ich befand mich an dem Tag glücklicherweise in Sidali auf 900 Meter Höhe. Es war geradezu zauberhaft, wie auch die Sarden den Schnee gefeiert haben und von den Küstenregionen hoch auf die Hochebene fuhren, um Schneemänner zu bauen und Schneeballschlachten zu veranstalten.
Unangenehmer war der Dauerregen, das hatte ich so stark schon lange nicht mehr erlebt. Im Urlaub möchte man das nicht haben. Ich konnte arbeiten, aber irgendwann schlägt das auf das Gemüt.

Mit dem Camper durch Sardinien – meine Route
Wenn du dir meine Route anschaust, siehst du sofort: Das war kein einmal rund um die Insel und fertig. Ich habe Sardinien über mehrere Wochen wirklich durchfahren. Küsten, Hinterland, Norden, Süden. Immer wieder Umwege. Immer wieder Ortswechsel. Genau das macht die Insel so spannend für eine Reise mit dem Van.
Ich bin sowohl an der Westküste als auch an der Ostküste unterwegs gewesen und dazwischen immer wieder ins Hinterland abgebogen. Sardinien lässt sich erstaunlich gut queren. Von Ost nach West brauchst du meist nur zwei bis drei Stunden. Das macht es leicht, auf Wetter, Wind oder einfach auf das eigene Gefühl zu reagieren.
Im Norden war ich viel zwischen Küste und Hinterland unterwegs. Mal direkt am Meer, mal ein Stück weiter oben, wo es ruhiger wird und man abends schneller auskühlt. Gerade dort habe ich gemerkt, wie unterschiedlich sich Sardinien anfühlen kann, obwohl man geografisch gar nicht weit fährt.
An der Westküste ist die Landschaft rauer. Mehr Wind, mehr Weite, mehr Atlantik-Gefühl, obwohl man im Mittelmeer ist. Dort bin ich oft nur kurz geblieben und dann weitergezogen. Nicht, weil es nicht schön ist, sondern weil man mit dem Van sehr genau schauen muss, wo man stehen kann und wo es einfach zu exponiert wird.
Die Ostküste hat mich deutlich länger gehalten. Geschützte Buchten, ruhigeres Wasser, oft milderes Klima. Dort habe ich mehrere Stopps gemacht und mir Zeit gelassen. Gerade im November war das ein großer Vorteil, weil die Temperaturen dort oft angenehmer waren als an der Westseite.
Immer wieder bin ich ins Landesinnere gefahren. In die Berge, in abgelegene Gegenden, dorthin, wo man im Sommer wahrscheinlich kaum freiwillig unterwegs ist. Genau dort hatte ich im Herbst und Winter einige der ruhigsten und eindrücklichsten Momente. Kühle Nächte, klare Luft, wenig Verkehr. Dafür benötigst du einen Van, der das mitmacht, und Lust auf Einfachheit.
Den Süden rund um Cagliari habe ich gar nicht besucht. Auch nicht die Costa Smeralda, ganz im Norden, und La Maddalena.
Diese Route war nicht geplant. Sie ist unterwegs entstanden. Abhängig vom Wetter, von der Jahreszeit, von offenen oder geschlossenen Campingplätzen und davon, wo ich bleiben wollte und wo nicht. Genau das ist für mich Sardinien mit dem Van: kein fixer Plan, sondern Bewegung. Und eine Insel, die das problemlos zulässt.
Meine Besonderheit ist, dass ich im Van lebe und arbeite. Ich reise anders, als jemand, der im Campervan Urlaub auf Sardinien macht. Langsamer. Oft stehe ich 3–5 Tage am selben Ort und habe einen normalen Arbeitsrhythmus, wie jeder andere Mensch im Steinhaus auch.
Am Wochenende ist dann Zeit für Erkundungen und um neue Orte anzufahren. Oder für Offroad-Touren.

Nordküste
Charakter
Die Nordküste Sardiniens wirkt auf den ersten Blick gefällig. Viel Küste, viel Licht, viele schöne Buchten. Gleichzeitig ist sie spürbar touristischer geprägt als andere Teile der Insel. Gerade rund um bekanntere Orte merkt man schnell, dass diese Region im Sommer stark genutzt wird. In der Nebensaison wird es ruhiger, aber der Charakter bleibt: etwas polierter, etwas weniger rau als der Rest Sardiniens.
Wind
An der Nordküste spielt der Wind eine große Rolle. Gerade in den Übergangsmonaten kann es hier deutlich windiger sein als erwartet. Das ist angenehm, wenn die Sonne scheint, kann aber auch schnell ungemütlich werden, wenn das Wetter kippt. Für längere Standzeiten muss man windgeschützte Plätze bewusst suchen.
Stellplätze
Stellplätze sind vorhanden, aber nicht im Überfluss. Viele klassische Plätze schließen nach der Saison. Freistehen funktioniert punktuell, wenn man sehr zurückhaltend ist und nicht direkt an touristischen Hotspots steht. Für mich war die Nordküste eher ein Durchreise- und Kurzstopp-Gebiet als ein Ort, an dem ich lange geblieben bin.
Ostküste
Landschaft
Die Ostküste ist landschaftlich mein Favorit. Geschützte Buchten, klares Wasser, schroffe Felsen und dazwischen ruhige Abschnitte. Die Küste wirkt natürlicher und weniger inszeniert als im Norden. Gerade im Herbst und Winter entfaltet sie ihren Reiz, weil sie ruhig bleibt und trotzdem viel bietet.
Straßen
Die Straßen entlang der Ostküste sind gut fahrbar, auch mit einem größeren Van. Es gibt kurvige Abschnitte, aber selten das Gefühl, sich irgendwo durchzwängen zu müssen. Google Maps ist hier meist zuverlässig, trotzdem lohnt es sich, nicht blind jeder Abkürzung zu folgen.
Van-Tauglichkeit
Für mich ist die Ostküste einer der van-tauglichsten Teile Sardiniens. Milderes Klima, weniger Wind, viele Möglichkeiten, abseitszustehen, ohne aufzufallen. Gerade in der Nebensaison lässt sich hier gut länger bleiben, wenn man respektvoll unterwegs ist.
Süden
Klima
Der Süden Sardiniens ist milder. Gerade im Herbst und Winter spürt man das deutlich. Mehr Sonne, weniger Wind, angenehmere Temperaturen. Das macht die Region besonders attraktiv, wenn es im Norden oder im Hinterland bereits deutlich frischer wird.
Es gibt etwas mehr Infrastruktur, mehr Möglichkeiten zur Versorgung und oft auch andere Camper. Wer länger bleiben möchte und Wert auf ein etwas stabileres Klima legt, ist hier gut aufgehoben.
Inland
Berge
Das sardische Hinterland ist für mich der stärkste Teil der Insel. Berge, Weite, kleine Straßen, wenig Verkehr. Landschaften, die nichts wollen außer Ruhe. Hier zeigt Sardinien ein ganz anderes Gesicht als an den Küsten.

Einsamkeit
Im Inland bist du oft allein. Wirklich allein. Gerade außerhalb der Saison. Kaum Verkehr, kaum andere Camper, wenig Ablenkung. Das muss man mögen. Für mich waren das die intensivsten und schönsten Momente der Reise.
Wetterumschwünge
Das Wetter kann im Inland schnell wechseln. Sonne, Wind, Regen, Kälte – manchmal alles an einem Tag. Nachts kühlt es deutlich ab, vor allem in höheren Lagen. Wer vorbereitet ist, wird mit einer Ruhe belohnt, die man an der Küste so kaum findet.

Camping & Stellplätze auf Sardinien
Wie ist das nun mit dem Campervan auf Sardinien? Darf man freistehen oder schickt dich die Polizei weg. Die Realität kann ich nach zwei Monaten auf Sardinien gut einschätzen.
Campingplätze in der Nebensaison
Es haben nur sehr wenige Campingplätze auf Sardinien in der Nebensaison geöffnet.
Man hat nicht viel Auswahl, was die Qualität angeht.
Alternativen zu Campingplätzen:
Es gibt einige Agritourismo, die du auch zur Nebensaison anfahren kannst. Die findest du auf den einschlägigen Apps oder auf Google, oder du kannst einfach einem der vielen Schilder am Straßenrand folgen.
Die Preise sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von 15 € bis 40 €. Manchmal kannst du auch umsonst eine Nacht stehenbleiben, sofern du ein Abendessen (das meist 30–40 € kostet) buchst.

Vansite: Es gibt auf Sardinien eine wachsende Anzahl von Vansite-Plätzen. Ich habe einen aufgesucht, bin allerdings etwas enttäuscht früher abgereist, weil ich zwischen Ferienhäuschen auf einem Parkplatz stand. Versprochen war ein Stellplatz im Grünen zwischen den Weinbergen.
(Vansite kann ich grundsätzlich empfehlen. Ich habe den Jahrespass und nutze diesen in Deutschland sehr viel. Mit dem Code VSRP-pUjr-o5aE-AP sparst du 10 €* auf den Jahrespass.)
Empfehlungen zu Campingplätzen auf Sardinien in der Nebensaison
Ich bin immer wieder zum Camping Girasole an der Ostküste bei Tortoli zurückgekehrt. Der Platz kostete nur 15 €. Bei meinen drei Aufenthalten waren nie mehr als 10 Autos da, im November stand ich alleine mit Melanie und Ricardo von Tausendfremdeorte.
Der Platz ist schön angelegt, du hast alle Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten. Die Duschen sind super sauber und das Wasser heiß.
Hier findest du Camping Girasole: https://maps.app.goo.gl/PUSF3V1Hp4k9u9gN8
In Sidali war ich auf dem Wohnmobilstellplatz, der mitten im Dorf und doch ruhig am Rande gelegen ist. Der Platz ist schön angelegt und bietet eine tolle Sicht über die Berge. Dort gibt es Strom, Grillplätze und auch Müllentsorgung. Der Platz ist mit einer Schranke verschlossen, man ruft eine Telefonnummer an, und am Abend kommt ein Gemeindemitarbeiter und sammelt die 10 € Gebühr (inklusive Strom!) ein.
Hier geht es zum Platz.
Ich war dort am ersten Wochenende im Dezember und wurde am Morgen von 15 cm Neuschnee überrascht und von Locals zu einer Schneeballschlacht überredet. Tolle Erinnerungen!
Eher schlechte Erfahrungen habe ich an der Ostküste auf dem Platz Camping Nurapolis gemacht.
18 € pro Nacht für eine Person und Van. Der Platz ist direkt am Meer gelegen, unter Pinien. Die Pinien stehen so eng, dass man schlecht einen Platz findet und höllisch aufpassen muss. Ich bin wirklich nicht zögerlich mit meinem Auto.
Ich musste nur auf dem Platz um die Batterien zu laden, das ging aber nicht. Die Sicherung ist ständig geflogen. Schließlich kam ein Mitarbeiter (der war allerdings sehr freundlich) und ich durfte dann am Parkplatz neben der Einfahrt stehen, weil dort der Stromkasten irgendwie "stärker" war. Naja.
Die Duschen waren dreckig und deutlich sanierungsbedürftig. Das ist noch charmant ausgedrückt.
Freistehen auf Sardinien
Rechtliche Grauzonen
Grundsätzlich ist auf Sardinien Wildcampen verboten. Dazu zählen das Herausstellen von Möbeln, Markisen, Keilen, offenes Kochen draußen oder alles, was nach „Einrichten“ aussieht. Rein rechtlich darfst du dich also nicht einfach an beliebiger Stelle hinstellen und campieren.
Was es gibt, ist eine Grauzone zwischen Parken und Campen. Parken ist erlaubt. Übernachten im Fahrzeug fällt in vielen Fällen unter Parken, solange du nichts nach außen verlagerst und niemanden störst. Genau hier bewegen sich die meisten Vanreisenden auf Sardinien, besonders außerhalb der Saison. Die Locals reagieren zunehmend negativ auf die seit Covid rasant steigende Menge an Campern.
Im November ist diese Grauzone spürbar größer als im Sommer. Weniger Tourismus, weniger Kontrollen, weniger Sensibilität. Das heißt nicht, dass plötzlich alles erlaubt ist. Aber die Praxis ist deutlich entspannter, solange man sich korrekt verhält.

Schickt die Polizei frei stehende Camper auf Sardinien weg?
Bei den heißen Quellen von Fordongianus habe ich sehr anschaulich erlebt, warum das Thema Freistehen auf Sardinien sensibel ist und wie manche Camper sich ihren Ärger selbst einhandeln.
Dort gibt es einen Wohnmobilstellplatz, aber der ist in der Nebensaison geschlossen. Zusätzlich gibt es einen zweiten Parkplatz, etwas abseits (keine 50 Meter!) vom Fluss. Dort ist Campen offiziell erlaubt und wird auch toleriert. Direkt an den heißen Quellen selbst stehen hingegen mehrere große Parkverbotsschilder. Unübersehbar. Dick. Klar.
Ich war insgesamt dreimal dort. Jedes Mal standen trotzdem Autos direkt am Fluss. Am Tag der Polizeikontrolle war es besonders absurd. Eine komplette Reihe aus Vans und Weißware. Ich habe grob zwölf Fahrzeuge gezählt. Alle direkt hintereinander. Alle direkt vor den Parkverbotsschildern.
Dann kam die Polizei und hat sie weggeschickt. Und ganz ehrlich: zu Recht. Wenn du Schilder ignorierst, dich demonstrativ hinstellst und glaubst, das gilt für alle anderen, aber nicht für dich, dann brauchst du dich nicht zu wundern. Dieses Verhalten schadet nicht nur dir, sondern allen, die respektvoll unterwegs sind. Strafen wurden aber nicht kassiert.
Ich selbst stand etwas abseits. Nicht direkt am Fluss, sondern in einem Bereich, wo Parken erlaubt war.
Ich stand an 48 von 58 Tagen auf Sardinien frei.
Wenn Locals vorbeikommen, grüße ich immer freundlich. Manchmal spreche ich sie auch an, um zu fragen, ob es okay ist, wenn ich dort stehe. Ich stelle nichts vor den Van.
So respektvoll funktioniert das auch.

Meine persönliche Vermutung ist, dass in der Nebensaison auch die öffentlichen Sicherheitskräfte deutlich weniger Personal im Einsatz haben. Gleichzeitig wissen sie sehr genau, dass zu dieser Zeit kaum noch Campingplätze geöffnet sind. Das ändert nichts an den Regeln, erklärt aber, warum im Herbst und Winter insgesamt pragmatischer mit Campern umgegangen wird.
Am Ende ist es wie so oft eine Frage der Masse. Im November und Dezember waren so wenige Camper auf Sardinien unterwegs, dass ich an den meisten Freistehplätzen, selbst an denen, die in einschlägigen Apps verzeichnet sind, komplett alleine stand. Kein Vergleich zum Sommer. Kein Gedränge. Kein Konkurrenzgefühl um Plätze.
Dazu kommt, dass ich mit meinem Allrad-Sprinter an Orte komme, die für klassische Weißware schlicht nicht erreichbar sind. Schmale Zufahrten, Schotterpisten, abgelegene Höhenlagen. Das entzerrt automatisch und reduziert Konflikte.
Ich achte außerdem sehr bewusst auf mein Verhalten. Ich zeige keinerlei Campingverhalten. Ich stelle niemals Stühle raus. Ich keile nicht. Ich packe nichts aus. Ich komme an, stehe, schlafe und fahre weiter. Leise. Unauffällig. Und ich meide bewusst Parkplätze, die von Locals genutzt werden, etwa zum Angeln oder für landwirtschaftliche Arbeiten. Diese Plätze gehören nicht mir, auch wenn sie auf der Karte verlockend aussehen.
Ich bemühe mich immer freundlich zu winken, zu grüßen und ich nehme Blickkontakt auf, wenn Locals vorbeifahren. Das klingt banal, macht aber einen riesen Unterschied. Damit bin ich auf Sardinien durchweg gut gefahren.
Einmal standen wir mit zwei Vans an einem Platz, an dem die Polizei auftauchte, um eine Straßenkontrolle zu machen. Warum genau dort, weiß ich nicht. Die Straße war kaum befahren. Wir haben sie gefragt, ob es für sie in Ordnung ist, dass wir dort stehen. Sie haben nur abgewunken. Es hat sie nicht interessiert.
Diese Erfahrung fasst Freistehen auf Sardinien im Herbst und Winter hervorragend zusammen. Wenn du vorbereitet bist, respektvoll handelst und dich nicht aufführst, als gehöre dir der Ort, dann wird vieles toleriert. Nicht, weil es offiziell erlaubt ist, sondern weil dein Verhalten stimmt.
Freistehen auf Sardinien ist kein Freifahrtschein. Aber es ist im Herbst und Winter gut möglich, wenn du vorbereitet bist, deinen Van im Griff hast und dich an die unausgesprochenen Regeln hältst.
Mit großem Van auf Sardinien unterwegs (7 Meter)
Straßen
Ich war mit einem Allrad Mercedes Sprinter unterwegs, sieben Meter lang. Und ich fahre grundsätzlich gern abseits der Hauptrouten. Genau da war ich extrem froh, dass mein Van schmal ist. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie manche Wohnmobilfahrer das auf Sardinien machen, die Straßen durch Dörfer und Kleinstädte sind teilweise sehr eng.
Einmal hat mich Google Maps in Tortolì so richtig in die Irre geführt. Enge Gassen, links Hauswand, rechts Hauswand. Stenneweise ging es um Zentimeter. Aber es hat funktioniert. Langsam, konzentriert, mit viel Ruhe. Genau dafür ist ein schmaler Van auf Sardinien Gold wert.
Es gab nur eine einzige Straße, bei der ich gesagt habe: Nein, da fahre ich nicht rein. Dann fährt man eben einen Umweg. Ich habe mich mit dem 7-Meter-Van nie eingeschränkt gefühlt. Bodenfreiheit hilft allerdings enorm. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man mit weniger Bodenfreiheit oder mit einem breiteren Wohnmobil auf der Insel deutlich schneller an Grenzen stößt.
Sehr empfehlen kann ich übrigens die SS 125 im Hinterland. Sie führt durch das bergige Landesinnere, entlang schroffer Felslandschaften und mit großartigen Ausblicken. Die Straße ist stellenweise eng und kurvig, aber landschaftlich absolut beeindruckend. Man muss die Kurven sauber ausfahren und permanent aufmerksam sein. Die Italiener fahren dort, sagen wir mal, sehr eigenwillig. Ich habe mich auf einem Roller in Hanoi teilweise entspannter gefühlt als auf sardischen Bergstraßen. Hohe Konzentration ist Pflicht.

Parken
Parken ist weniger problematisch, als viele denken. Wenn du bereit bist, ein paar Schritte zu laufen, ist es absolut machbar. In Städten und größeren Orten findest du meist Platz, wenn du nicht erwartest, direkt vor der Tür zu stehen.
In kleinen Bergdörfern parke ich grundsätzlich eher am Rand. Dann geht man eben ein Stück zu Fuß. Für mich ist das völlig in Ordnung und oft sogar angenehmer, als mich irgendwo reinzuquetschen, wo ich später wieder schlecht hinauskomme.
Auch hier gilt: schmal schlägt breit. Mit meinem Van war das Parken fast nie ein echtes Problem.
Wendigkeit
Mit der Wendigkeit hatte ich wenig Schwierigkeiten. Klar, der zusätzliche Meter Länge und der längere Radstand machen sich bemerkbar. Auf manchen Offroad-Strecken muste ich in engen Serpentinen ein paar Mal zurücksetzen. Das gehört dazu. Wer einen großen Van fährt, muss damit umgehen können.
Was man nicht unterschätzen sollte: Viele Offroad-Strecken auf Sardinien sind stark zugewachsen. Ich habe mir dort einige Kratzer eingefangen. Das ist kein Drama, aber man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Wenn du dein Fahrzeug wie ein rohes Ei behandeln möchtest, sind viele Strecken abseits der Straße nichts für dich.
Letztlich war ich mit meinem sieben Meter Sprinter auf Sardinien sehr zufrieden. Schmal, geländetauglich, ausreichend wendig. Für ist war das genau die richtige Fahrzeuggröße, auch für diese Insel.
Alltag im Van auf Sardinien
Einkaufen, Wasser, Gas
Supermärkte
In größeren Orten ist Einkaufen auf Sardinien unkompliziert. Du findest Ketten wie Conad, Eurospar, Superspar oder MD, meist sieben Tage die Woche geöffnet, oft von morgens bis abends. Google Maps ist hier dein bester Freund. In Städten und größeren Orten passt das in der Regel auch.
In kleineren Orten kann Google ungenau sein. Im Hinterland sowieso. Dafür gibt es dort oft kleine Alimentari, teilweise erstaunlich gut sortiert. Gerade in sehr kleinen Dörfern lohnt sich ein Stopp. Wichtig zu wissen: Viele dieser Läden schließen mittags von 13:00 bis 17:30 Uhr. Plane deine Einkäufe auf den Vormittag oder den frühen Abend.
Ich nutze auch im Ausland gern Too Good To Go. Gerade auf Reisen ist das spannend, weil man Produkte bekommt, die man sonst vielleicht nicht kaufen würde.
Versorgung
Zur Müllentsorgung habe ich weiter oben schon einiges geschrieben. Kurzfassung: Sie ist schwierig. Vor allem ab November. Gleiches gilt für das Entleeren von Chemietoiletten, wenn die Campingplätze geschlossen haben.
Wenn du mit Gas heizt oder regelmäßig Gas brauchst, plane die Menge sorgfältig. Ab Oktober, spätestens im November und Dezember, heizt du fast jede Nacht. Je nachdem, wie kälteempfindlich du bist.
Auf Sardinien kannst du deutsche Gasflaschen nicht tauschen. Wir haben bei Fordongianus eine Familie mit Baby getroffen, denen das Gas ausgegangen ist. Eine wirklich unangenehme Situation. Wir haben mit dem Rest unserer Gasflasche ausgeholfen, aber genau sowas möchtest du vermeiden. Nimm ausreichend Gas mit und rechne konservativ.
Tanken
Tanken ist auf der Insel teurer, als auf dem Festland. Es lohnt sich, vor der Fährfahrt noch einmal vollzutanken und mit leerem Tank wieder auf die Fähre zu fahren.
Wasser
Wasser kannst du in Sardinien an einem der vielen öffentlichen Brunnen kostenlos auffüllen. Ob es immer Trinkwasserqualität hat, kann ich nicht sagen. Manchmal schmeckt das Wasser salzig. Nicht immer ist der Druck ausreichend für eine Befüllung per Schlauch, es lohnt sich, Alternativen im Van zu haben.

Planung
Für die grobe Planung reicht Google Maps völlig aus. Ergänzend gibt es gute Reiseführer, auch klassisch auf Amazon. Wenn du gern Offroad unterwegs bist, kann ich die Sardinien-Offroad-Karte vom Offroad Atlas empfehlen. Die hat bei mir zuverlässig funktioniert. Alternativ Wikiloc, vorwiegend für Inspiration und Abgleich.
Arbeiten unterwegs
Internet
Das Internet auf Sardinien ist… überraschend. Du kannst mitten in der Pampa stehen und hast 5G. Und dann wieder über weite Strecken ein miserables Netz. Darauf sollte man sich einstellen.
Wenn du unterwegs arbeiten musst, plane immer eine Alternative ein. Entweder zeitlich flexibel sein oder bewusst Orte ansteuern, die in der Nähe größerer Städte liegen. Dort ist das Netz in der Regel stabiler.
Ich nutze ein Starlink Mini. Damit komme ich hervorragend zurecht und habe im Prinzip überall Empfang. Für mich war das die entspannteste Lösung, gerade bei längeren Aufenthalten im Hinterland.

Orte
Arbeiten im Van funktioniert auf Sardinien gut, wenn man nicht erwartet, überall gleich gute Bedingungen zu haben. Ich habe mir Orte gesucht, die ruhig sind, aber nicht komplett abgeschnitten. Nähe zu einer Stadt, aber nicht mittendrin. Das ist oft der beste Kompromiss.
Ich arbeite lieber morgens oder abends und nutze die Mitte des Tages fürs Draußensein oder Fahren. Das passt gut zur Insel und zur Nebensaison.
Sprache
Mit Englisch kommt man kaum weiter. lade dir am besten die Google-Übersetzer-App herunter, Italienisch ist auch offline verfügbar. Ich weiß nicht, wie das zur Hauptsaison ist, aber zur Nebensaison nutzt Englisch kaum.
Ordnung im Van
Sardinien ist nicht nur Sonne. Es kann nass, windig und unangenehm werden. Ordnung im Van ist deshalb kein Nice-to-have, sondern eine Alltagserleichterung.
Ich habe vorn im Fußraum immer eine Plastikbox für dreckige Schuhe stehen und einen kleinen Fußabtreter. Das spart Nerven. Meine Winterjacke habe ich tatsächlich nur einmal gebraucht, als ich eingeschneit wurde. Die Regenjacke dagegen deutlich öfter.
Für nasse und dreckige Dinge nutze ich robuste Taschen aus Plane. Hundezeug zum Beispiel. Handtuch, Regenjacke, alles, was nass wird oder riecht, landet dort. Das hält den Van sauber und das Chaos klein. Genau dafür sind einfache, pflegeleichte Systeme ideal.
Ein großes Thema ist Mülltrennung. Auf Sardinien lohnt es sich wirklich, Müll strikt zu trennen. Papier, Plastik und Glas getrennt aufzubewahren. Dafür nutze ich ebenfalls eine robuste Tasche. Es macht nichts, wenn etwas ausläuft oder schmutzig wird. Und ich kann sie ins Heck räumen, wo sie mir unterwegs nicht im Weg ist. Viele nutzen dafür auch Rucksäcke an der Heckleiter. Wichtig ist nur: Plane Platz dafür ein, wenn du viel frei stehst.
Und dann ist da noch der Sand. Am Meer hast du ihn überall. In den Schuhen, im Van, im Bett, gefühlt im Kopf. Auch hier helfen klare Abläufe und feste Plätze für Dinge. Je weniger du improvisierst, desto entspannter wird der Alltag.
Unterm Strich gilt: Auf Sardinien funktioniert Vanlife dann am besten, wenn deine Systeme einfach sind. Robust. Schnell zu reinigen. Ohne Schnickschnack. Genau das macht den Unterschied, wenn du mehrere Wochen unterwegs bist.
Für wen sich Sardinien im Winter mit dem Van lohnt – und für wen nicht
Sardinien mit dem Campervan im November und Dezember passt zu dir, wenn …
Sardinien ist ein großartiges Ziel mit dem Van, wenn du Ruhe suchst. Wenn du Orte magst, an denen nichts passiert und genau das der Punkt ist. Du musst hier nicht jeden Tag ein neues Highlight abhaken. Die Insel funktioniert dann am besten, wenn du dir Zeit lässt und akzeptierst, dass manche Tage einfach nur Tage sind.
Sardinien passt zu dir, wenn du kein durchgetaktetes Programm brauchst. Wenn du morgens aufwachst und entscheidest, ob du bleibst oder weiterfährst. Wenn du damit klarkommst, dass Pläne sich ändern, weil das Wetter kippt oder ein Platz sich nicht richtig anfühlt.
Und Sardinien passt zu dir, wenn du selbstständig reist. Wenn du deinen Van kennst, weißt, was du brauchst, und Verantwortung für deine Entscheidungen übernimmst. Gerade außerhalb der Saison funktioniert die Insel am besten für Menschen, die nicht auf permanente Versorgung angewiesen sind.
Sardinien mit dem Campervan November und Dezember ist nichts für dich, wenn …
Sardinien ist kein gutes Reiseziel mit dem Van, wenn du auf durchgehende Infrastruktur angewiesen bist. Wenn du jeden zweiten Tag einen offenen Campingplatz brauchst, täglich entsorgen möchtest oder davon ausgehst, dass alles immer verfügbar ist.
Es ist auch nichts für dich, wenn du Animation erwartest. Wenn du abends Unterhaltung suchst, Bars, Programm oder das Gefühl, dass immer etwas los ist. Vor allem im Herbst und Winter wird Sardinien sehr ruhig. Für manche ist das traumhaft. Für andere schlicht langweilig.
Und Sardinien wird dich frustrieren, wenn du Vanlife romantisierst. Wenn du erwartest, dass jeder Platz perfekt ist, das Wetter immer mitspielt und alles Instagram-tauglich läuft. Die Insel ist rau, eigenständig und manchmal unbequem. Genau das macht sie besonders. Aber nur, wenn du damit umgehen kannst.
Sardinien mit dem Van ist kein Urlaub zum Konsumieren. Es ist eine Reise für Menschen, die mit wenig zufrieden sind, gerne in der Natur sind und genau darin viel finden.
Beste Reisezeit für Sardinien mit dem Camper
Die beste Reisezeit für Sardinien mit dem Wohnmobil hängt weniger vom Kalender ab als von deiner Art zu reisen. Sardinien funktioniert zu fast jeder Jahreszeit. Aber nicht für jeden gleich gut.
Frühling
Der Frühling ist für viele eine sehr gute Reisezeit für Sardinien mit dem Camper. Die Natur ist grün, es blüht überall und die Temperaturen sind angenehm. Die Campingplätze öffnen nach und nach, die Infrastruktur kommt zurück, die Insel ist noch nicht überlaufen. Baden ist möglich, aber eher für Unempfindliche. Für Wandern, Fahren und entspanntes Unterwegssein ist der Frühling ideal.
Sommer
Der Sommer ist Hochsaison. Heiß, voll, laut. Viele Campingplätze sind geöffnet, die Versorgung ist einfach, aber die Freiheit schrumpft. Freistehen ist stark eingeschränkt, viele Orte sind überlaufen, besonders an der Küste. Mit dem Wohnmobil funktioniert Sardinien im Sommer, aber nur, wenn du Hitze magst, gerne auf Campingplätzen stehst, Trubel aushältst und früh unterwegs bist. Für mich persönlich die anstrengendste Reisezeit.
Herbst
Der Herbst ist meine klare Empfehlung als beste Reisezeit für Sardinien mit dem Camper. September und Oktober sind ein guter Übergang. Ab November wird es deutlich ruhiger. Weniger Menschen, weniger Verkehr, mehr Platz. Die Temperaturen sind angenehm, das Meer noch warm, die Insel entspannt. Die Infrastruktur fährt zwar herunter, aber genau das bringt Freiheit zurück. Wer autark unterwegs ist, findet hier die beste Mischung aus Ruhe und Erleben.

Winter
Der Winter ist nichts für Einsteiger, aber großartig für erfahrene Vanreisende. Viele Campingplätze sind geschlossen, die Versorgung erfordert Planung. Dafür bekommst du Sardinien fast für dich allein. Klare Luft, weite Landschaften, ruhige Nächte. Heizung im Van ist Pflicht. Wer vorbereitet ist und keine Animation braucht, erlebt Sardinien im Winter von seiner ehrlichsten Seite.
Mein persönliches Fazit nach 8 Wochen Sardinien mit dem Van
Sardinien war für mich keine Liebe auf den ersten Blick. Nach zwei sehr intensiven Monaten in Bosnien im Mai und Juni hatte ich anfangs offen gesagt Schwierigkeiten, auf Sardinien anzukommen. Es fehlte mir dieses unmittelbare Wow-Gefühl. Dieses „Hier will ich bleiben“. Die Insel hat sich mir nicht sofort geöffnet.
Nach acht Wochen sehe ich das völlig anders.
Je länger ich geblieben bin, desto mehr bin ich mit Sardinien warm geworden. Vor allem mit dem Hinterland. Mit der Ruhe. Mit der Natur. Dieses leise Läuten von Glocken in der Ferne. Die Momente, in denen plötzlich Schweine um dein Wohnmobil laufen und neugierig herumschnorcheln oder sich daran rubbeln. Das sind die Szenen, die bleiben.

Ich habe die Alltagskultur sehr schätzen gelernt. Morgens in eine Bar gehen, einen Kaffee trinken, ein Hörnchen dazu. Kein Drama. Kein Schnickschnack. Einfach machen, was man macht. Und als Kaffeeliebhaberin muss ich sagen: Der Kaffee schmeckt an fast jeder Tankstelle besser als in den meisten fancy Coffeeshops in Berlin-Kreuzberg. Das ist einfach so.
Die Menschen sind herzlich, offen und pragmatisch. Das Essen ist fantastisch. Ich habe fünf verschiedene Pizzen gegessen und keine war wie die andere. Alle unterschiedlich. Alle richtig gut. Sardinien ist kein Ort für Effekte. Es ist ein Ort für Substanz.
Auch als Reiseziel mit dem Van hat mich die Insel überzeugt. Sie fordert dich. Sie zwingt dich, dich anzupassen. Aber genau das macht sie ehrlich. Es ist ein günstiges Reiseland, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und nicht alles serviert bekommen will.
Würde ich wieder mit dem Van nach Sardinien reisen? Ja. Nicht wegen der großen Highlights. Sondern wegen der kleinen, stillen Momente, die sich erst zeigen, wenn man bleibt.
FAQ: Sardinien mit dem Van im Herbst und Winter
Kann man im November nach Sardinien reisen?
Ja, du kannst im November sehr gut nach Sardinien reisen. Die Insel ist deutlich ruhiger als in der Hauptsaison und du hast oft viel Platz. Gleichzeitig sind viele Campingplätze und Stellplätze ab dem letzten Oktoberwochenende geschlossen. Wenn du autark unterwegs bist, funktioniert Sardinien im November sehr entspannt. Wenn du stark auf Infrastruktur angewiesen bist, musst du mehr planen und häufiger fahren.
Wie warm ist Sardinien im November wirklich?
Im November ist Sardinien insgesamt milder, als viele erwarten, aber es ist wechselhaft. Ich hatte überwiegend sonniges Wetter und eher Regenstunden statt ganztägigen Regen. Im Hinterland und in den Bergen kann es nachts auf 0 bis 5 Grad abkühlen, an den Küsten ist es milder. An der Ostküste ist es oft etwas ruhiger und wärmer als an der windigeren Westküste. Tagsüber sind bei Sonne auch um die 18 bis 20 Grad möglich, im Windschatten fühlt sich das schnell nach T-Shirt-Wetter an.
Kann man im November auf Sardinien noch baden?
Grundsätzlich ja, das ist aber Geschmackssache. Das Mittelmeer hat im November an den sardischen Küsten meist noch etwa 18 bis 20 Grad. In geschützten Buchten, vor allem an der Ostküste, kann es sich oft angenehmer anfühlen als an der raueren Westküste. Ob du baden gehst, hängt stark von Außentemperatur, Wind und deinem eigenen Empfinden ab. Freunde von mir waren im November regelmäßig baden, ich selbst nicht.
Wann endet die Saison auf Sardinien für Camper?
Gefühlt endet die Campingsaison auf Sardinien zum letzten Oktoberwochenende. Ab dann schließen sehr viele Campingplätze und Wohnmobilstellplätze. Einzelne Plätze bleiben geöffnet, aber die Infrastruktur wird deutlich dünner. Wasser auffüllen ist häufig noch machbar, schwieriger sind Müllentsorgung und das Entleeren von Chemietoiletten, wenn Campingplätze geschlossen sind.
Ist Sardinien im Winter schön?
Ja, Sardinien kann im Winter sehr schön sein, wenn du Ruhe magst und gut vorbereitet bist. Es ist deutlich weniger los, viele Orte wirken ursprünglicher und entspannter. Du solltest mit kühlen Nächten rechnen und eine Heizung im Van haben. Die größte Herausforderung ist die eingeschränkte Infrastruktur, weil viele Campingplätze geschlossen sind. Für erfahrene Vanreisende ist das oft genau der Reiz.
Über die Autorin
Ich bin Dagmar, Gründerin von tjuub Upcycling, und ich lebe und arbeite überwiegend in meinem Van. Mein Fahrzeug ist ein 7 Meter langer Mercedes Sprinter Allrad, ein Frankia Yucon. Ein Serienmodell, von dem ich jahrelang geträumt habe und auf das ich sieben Jahre hingearbeitet habe, bis ich ihn mir 2024 endlich leisten und abholen konnte.
Ich bin meist alleine unterwegs. Manchmal begleitet mich mein alter Labrador Bosse. Der Van ist kein Showfahrzeug, sondern mein Alltag. Ausgestattet mit BFGoodrich AT-Reifen, Unterfahrschutz für Motor, Getriebe und Stoßdämpfer, einer Trockentrenntoilette, 100 Litern Frischwasser, Dieselheizung, Wechselrichter, Starlink und einer vollwertigen Dusche.
Ich arbeite ganz normal von Montag bis Freitag und kann im Winter bei laufender Heizung etwa acht bis zehn Tage autark frei stehen, je nach Fahrprofil.
Ich fahre im Jahr rund 25.000 Kilometer mit diesem Fahrzeug. Nicht, um möglichst viel Strecke zu machen, sondern um unterwegs zu sein, zu arbeiten und Orte wirklich kennenzulernen. Meine Erfahrungen entstehen nicht aus Kurztrips, sondern aus Alltag.
Auf Instagram findest du mich unter @lassdraussenspielen. Dort teile ich Einblicke in meine Reisen, meinen Van-Alltag und auch Reels zu meinem zweimonatigen Aufenthalt auf Sardinien.
Wenn du Fragen hast, schreib mir gern.


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