Bosnien mit dem Wohnmobil: Route, Camping und Praxis
Im Herbst 2024 bin ich nach zwei Wochen aus Bosnien abgehauen. Im Sommer 2025 bin ich acht Wochen geblieben und über 2.500 Kilometer gefahren. Zwischen den beiden Reisen lag nicht das Land. Zwischen ihnen lag ich.
Ich bin Dagmar, ich lebe im Van und führe von dort aus meine Manufaktur. Unterwegs war ich allein mit meinem Labrador Bosse, in einem 7 Meter langen Sprinter, Frankia Yukon 4x4, 4,1 Tonnen. Das hier ist kein Reiseführer. Das ist, was ich in acht Wochen gelernt habe – inklusive der Sachen, die schiefgegangen sind.
Warum Bosnien und warum ich zweimal hinfahren musste
Der erste Versuch war im Herbst 2024. Ich hatte Geschichten über Minen im Kopf, Warnungen vor Kriminalität, keine Sprachkenntnisse, keine Offroad-Tracks auf dem Tablet, kein Buch im Regal. Dazu einen Begleiter, der noch ängstlicher war als ich. Nach zwei Wochen bin ich umgedreht.
Rückblickend war das Land nicht das Problem. Ich war zu diesem Zeitpunkt komplett überarbeitet. Mir fehlte die Aufnahmefähigkeit, die Offenheit und die Neugierde, die man braucht, um in einem fremden Land anzukommen. Angst frisst Neugierde. Und ohne Neugierde ist Bosnien anstrengend.
Im Sommer 2025 bin ich anders reingegangen. Sprintherapy hat ihre erste Bosnien-Tour angeboten, sechs Tage geführt, Start am Autocamp Drina bei Foča. Ich bin mitgefahren. Nach diesen sechs Tagen war die Furcht vor dem Unbekannten weg. Ich kannte die Straßen, ich wusste, wie Tanken funktioniert, ich hatte gesehen, wie Menschen reagieren, wenn ein fremder Van in ihrem Dorf steht. Ab da war ich offen.
Wenn du unsicher bist: Eine geführte Einstiegstour ist keine Schwäche. Sie ist eine Abkürzung. Danach fährst du allein weiter und hast acht Wochen statt zwei.
Meine Route durch Bosnien und Herzegowina
Angereist bin ich aus Bayern über Österreich, durch den Karawankentunnel, weiter durch Slowenien und Kroatien. Grenzübertritt bei Slavonski Brod, im Norden. Von dort in den Südosten zum Sutjeska Nationalpark, dann quer durch Herzegowina nach Westen und am Ende hoch in den Nordwesten an die Una. Ausgereist bin ich bei Izačić.
Dass ich so lange im Süden geblieben bin, hatte einen praktischen Grund: Hitzemanagement. In Herzegowina hat es im Sommer über 40 Grad. Mit einem alten Hund suchst du dann keine Sehenswürdigkeiten, sondern Wasser und Schatten. Der Rhythmus hat sich von selbst eingestellt – vier bis fünf Tage stehen und arbeiten, danach zwei bis drei Tage erkunden.
Als Reiseführer hatte ich Faszination Bosnien & Herzegowina dabei. Das Buch hat mir mehr gebracht als jede App, weil es Orte beschreibt statt Öffnungszeiten.
Grenze, Maut und Sprit – die Praxis
Die Einreise war unspektakulär. Für Bosse brauchte ich den EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung, für mich kein Visum. Das Auto hat niemanden interessiert.
Maut in Bosnien: keine Vignette. Du ziehst an der Autobahn ein Ticket und zahlst bei der Ausfahrt nach gefahrener Strecke. Bezahlen geht in Konvertibler Mark, in Euro und meist auch mit Karte. Das Autobahnnetz ist kurz, die Kosten wirklich überschaubar. Der Großteil der Strecke läuft über normale Landstraßen, und die sind mautfrei.
Stelle dich im Land auf eine Reisegeschwindigkeit von 50 km/h ein. Für 100 Kilometer Strecke brauchst du gut zwei Stunden. Wenn es gut läuft. Die Straßen sind oft eng und kurvig, und Baustellen oder Löcher kommen recht überraschend.
Maut für Wohnmobile über 3,5 Tonnen auf dem Weg dorthin: Das ist der Punkt, an dem viele stolpern. Mit 4,1 Tonnen fällst du in Österreich und Slowenien aus dem Vignettensystem heraus und brauchst zwei getrennte Boxen.
- GO-Box (Österreich) – rund 12 Euro Bearbeitungsgebühr, an Asfinag-Vertriebsstellen und teils schon in Südbayern erhältlich.
- DarsGo (Slowenien) – rund 10 Euro Verwaltungsgebühr, an Dars-Servicestellen oder online.
Beide rechnen im Nachhinein nach Kilometern, Achszahl und Euro-Abgasklasse ab. Beide bekommst du an den Grenzstellen. Plan dafür Zeit ein, nicht Nerven.
Sprit: Diesel war in Bosnien 30 bis 40 Prozent günstiger als in Deutschland. Der Tipp ist simpel: mit möglichst leerem Tank rein, vor der Ausreise noch einmal volltanken.
Wasser: Ich habe einen Wasserfilter im Auto, bin mit vollem 100-Liter-Tank aus Deutschland losgefahren und habe unterwegs überall nachgefüllt. Nie ein Problem. Zwei Mitreisende hatten einen Magen-Darm-Infekt, vermutlich vom Kaffee in einem Restaurant. Das würde ich nicht Bosnien anlasten. Das kann dir in Deutschland genauso passieren.
Bargeld: Nicht überall kannst du mit Karte zahlen, gerade auf kleinen Campingplätzen und in Dorfläden nicht. Zieh direkt hinter der Grenze am Geldautomaten Konvertible Mark.
Internet in Bosnien: SIM-Karte, eSIM oder Starlink?
Ich habe mich lange gegen Starlink gewehrt. Aus vielen Gründen. In Bosnien habe ich es dann bestellt.
Der Grund war nicht Bequemlichkeit, sondern die Route. Ich war viel im Hinterland und im Gebirge unterwegs. Dort gab es schlicht keinen Empfang und zwar für niemanden. Eine lokale SIM-Karte hätte dir dort exakt genauso wenig genützt wie deine deutsche. Wenn du wie ich mitten in den Bergen stehst und arbeiten musst, führt kein Weg an Satellit vorbei.
Wenn du dich in bewohnten Gebieten bewegst, sieht es anders aus. Dann reicht Folgendes:
- Lokale SIM-Karte: Bekommst du in jedem Tabakladen. Sehr günstig, kann ich uneingeschränkt empfehlen.
- eSIM: Ich nutze Airalo. Installierst du zu Hause schon auf dem Handy, dann hast du vor Ort keine Rennerei. Für kürzere Reisen die beste Lösung.
Die Entscheidung hängt daran, wie lange du bleibst und wie viel Zeit du vor Ort investieren willst. Zwei Wochen Urlaub? eSIM. Zwei Monate Arbeiten im Gebirge? Satellit.
Camping in Bosnien: was es kostet, wo es schön ist
Die Campingplatz-Landschaft in Bosnien wächst gerade. Es entstehen viele kleine private Plätze, oft einfach auf einer Wiese, meist mit 10 bis 30 Stellplätzen, sehr häufig an einem Fluss. Betrieben werden sie von Familien, und die Herzlichkeit dort ist etwas, das ich aus Deutschland so nicht kenne.
Preise: 10 bis 15 Euro pro Nacht sind normal. Ab 20 bis 25 Euro wird es teuer, dann erwarte auch etwas dafür.
Zwei Plätze, die ich ohne Einschränkung empfehle:
- Autocamp Drina bei Foča – direkt an der türkisen, eiskalten Drina, mitten im Umfeld des Sutjeska Nationalparks. Mit Restaurant, und das Essen dort ist richtig gut. Einer der schönsten Plätze, auf denen ich je stand.
- Autocamp Holiday Mostar – ein Familienbetrieb, geführt von einer Frau, die alle nur „Mutti“ nennen. Terrasse direkt am Fluss, das Wasser eiskalt. Bei 40 Grad war das die Rettung. Bosse ist stundenlang nicht mehr rausgegangen.
Zum Suchen nutze ich meist Google Maps oder auch Park4Night.
Wildcampen in Bosnien – was erlaubt ist und was nicht
Klare Ansage vorweg: Wildcampen ist in Bosnien und Herzegowina offiziell nicht erlaubt. In Nationalparks und Schutzgebieten ist es eindeutig verboten. In leeren Regionen sinkt die Toleranzschwelle in der Praxis – aber das ist Toleranz, kein Recht.
Und diese Toleranz wird gerade verspielt. Ich habe das am Orlovačko Jezero im Sutjeska Nationalpark aus zehn Tagen Abstand mitbekommen. Zwei kommerzielle Rallys, eine aus den Niederlanden, eine aus Polen, haben dort gehaust. Vier Feuerstellen. Müll. Zerfahrene Bauernwiesen. Die Anwohner haben die Gruppen gestellt. Seit 2026 gilt am See ein offizielles Verbot.
Das ist der Punkt, an dem ich unbequem werde: Bitte benehmt euch in der Natur. Ein einzelnes Auto macht den Unterschied. Was ein Fahrzeug hinterlässt, färbt auf alle Camper ab, die danach kommen. Wir sind in Bosnien Gäste in einem Land, das mit Tourismus gerade erst anfängt. Wenn du ein Feuer machen willst, geh auf einen Platz. Wenn du frei stehen willst, steh eine Nacht, hinterlasse nichts und fahr weiter.
Sutjeska Nationalpark – der Süden, in dem ich am liebsten war
Der Sutjeska Nationalpark ist der älteste Nationalpark Bosniens, ausgewiesen 1962, über 17.000 Hektar groß. In ihm liegt Perućica, einer der letzten großen Urwälder Europas, mit Bäumen bis 65 Meter Höhe. Und der Maglić, mit 2.386 Metern der höchste Berg des Landes.
Das, was mich am meisten getroffen hat, war aber kein Berg. In Tjentište steht das Denkmal für die Schlacht an der Sutjeska: zwei Betonflügel auf einer Hochebene, entworfen von Miodrag Živković, eingeweiht 1971. Sie sind rund 19 Meter hoch und stehen sich gegenüber wie ein aufgerissener Fels. In der Krypta liegen über 3.000 Gefallene der Schlacht von 1943.
Du gehst da einen langen Weg hoch, und je näher du kommst, desto größer werden sie. Kein Ticketschalter, kein Souvenirstand. Nur Beton, Gras und Berge. Nimm dir dafür Zeit, auch wenn du sonst mit Denkmälern nichts anfangen kannst.
Rundherum gibt es Wanderwege in allen Schwierigkeitsgraden. Der Park ist gut erschlossen, aber nicht überlaufen. Wer im Sutjeska Nationalpark campen will, findet am Rand mehrere kleine Plätze – im Park selbst ist frei stehen tabu.
Rakitnica Canyon mit dem Sprinter
Der Rakitnica Canyon zieht sich 26 Kilometer zwischen den Massiven Bjelašnica und Visočica, südöstlich von Sarajevo. Er gilt als einer der tiefsten und am wenigsten erschlossenen Canyons Europas.
Ich bin mit dem Sprinter runtergefahren, natürlich nicht alleine, sondern in einer Gruppe mit zwei anderen Sprintern. Das ist machbar, wenn dein Fahrzeug Bodenfreiheit hat und du weißt, was du tust. Die Pisten sind schmal, die Kehren eng, und mit sieben Metern denkst du bei jeder Kurve mit. Runter kommst du immer. Die eigentliche Frage ist, wo du wieder wendest.
Unten ist es still, kühl und komplett anders als die Hochebene oben. Wandern kannst du dort ebenfalls, aber nicht auf ausgeschilderten Wegen – das ist echtes Gelände.
Bjelašnica, Blidinje und der Pločno
Das Bjelašnica-Plateau südwestlich von Sarajevo war 1984 olympisches Skigebiet. Was davon übrig ist, steht heute halb verfallen in der Landschaft. Oben auf dem Plateau liegt Lukomir, ein Bergdorf mit Steinhäusern und Schindeldächern, das jeden Winter eingeschneit ist.
Weiter westlich liegt der Naturpark Blidinje mit dem Blidinjsko Jezero. Von der Berghütte Masna Luka führt der Weg auf den Pločno, mit 2.228 Metern der höchste Gipfel des Čvrsnica-Massivs und des gesamten Naturparks. Hin und zurück sind das rund 17 Kilometer und 1.200 Höhenmeter, gute neun Stunden. Kein Spaziergang. Ich bin oben gewesen, und es hat sich gelohnt.
Auf dem Weg dorthin kommst du am Ramsko jezero vorbei, einem Stausee, an dessen Halbinsel das Franziskanerkloster Šćit steht. Türkises Wasser, ein Kirchturm, dahinter Wald. Klingt nach Postkarte, ist aber einfach da.
Livno und die Wildpferde
Auf der Hochebene bei Livno leben rund 800 Wildpferde. Sie sind keine Wildtiere im engen Sinn: In den 1970er Jahren haben Bauern ihre Arbeitspferde freigelassen, als Traktoren sie ersetzt haben. Die Tiere sind geblieben und haben sich vermehrt. Heute streifen sie über das etwa 150 Quadratkilometer große Kruzi-Plateau am Fuß des Cincar.
Die Anfahrt geht über Schotterpisten. Ein Fahrzeug mit Bodenfreiheit ist Pflicht, Allrad hilft. Wenn du dir das nicht zutraust, gibt es geführte Touren ab Livno.
Was mich überrascht hat: Die Pferde sind nicht scheu. Sie kommen auf ein paar Meter heran und mustern dich in Ruhe. Bleib trotzdem gelassen, füttere nichts und stell dich nicht zwischen Stuten und Fohlen. Es sind freilebende Tiere, keine Ponys auf der Koppel.
Rundherum liegt das Livanjsko Polje, eine der größten Karstebenen Europas. Weites Gras, zwei Fahrspuren, sonst nichts. Für mich einer der Orte, an denen ich am liebsten gestanden habe.
Bihać und der Una-Nationalpark – der Nordwesten
Zum Schluss bin ich hoch in den Nordwesten, an die Una. Der Fluss ist die andere Seite von Bosnien: nicht karg und heiß, sondern grün, laut und voller Wasser.
Der Una-Nationalpark hat mit dem Štrbački buk seinen berühmtesten Wasserfall, eine breite Kaskade mit alten Holzhäusern am Ufer. Rafting ist hier das große Thema, aber du musst nicht ins Boot, um etwas davon zu haben. Bosanska Krupa und Bihać sind gute Basisorte – klein genug, dass du echtes Leben siehst, groß genug für Einkauf und Werkstatt.
Mostar in der Sommerhitze mit Hund
Mostar habe ich nur kurz gemacht. 40 Grad plus, dazu ein alter Hund, der nicht im Auto bleiben kann und keine stundenlange Stadtbesichtigung durchhält. Das ist keine Kritik an Mostar. Das ist Realität mit Tier im Sommer.
Wenn du mit Hund in Herzegowina unterwegs bist, plane die Tage anders herum: früh raus, mittags an den Fluss, abends nochmal los. Und such dir Plätze mit Wasserzugang statt mit Pool. Genau deshalb war das Autocamp Holiday Mostar so wertvoll – Terrasse am Fluss, eiskaltes Wasser, fertig.
Ich mag ohnehin die kleineren Orte lieber. Vororte, Dörfer, Straßen, in denen niemand etwas verkaufen will. Da passiert das, wegen dem ich reise.
Sarajevo, Stećci und Rakija
Sarajevo ist beeindruckend. Diese Stadt ist multikulturell auf eine Art, die man in Mitteleuropa kaum noch findet – Moschee, Kirche, Synagoge und Kathedrale in Gehweite. Ich habe wegen der Hitze und wegen Bosse nur einen Bruchteil gesehen und komme deswegen wieder.
Was mir landesweit begegnet ist, sind die Stećci: mittelalterliche Grabmäler aus Stein, oft mit Reliefs, teils UNESCO-Welterbe. Sie stehen einfach in der Landschaft, am Straßenrand, auf Wiesen, ohne Zaun und ohne Schild.
Und dann ist da Rakija, meist Slivovica. Der wird dir angeboten, und zwar nicht als Verkaufsgespräch, sondern als Geste. Man muss sich dran gewöhnen. Ich habe am Ende einen ganzen Kanister geschenkt bekommen.
Zu den Menschen: Ich bin in acht Wochen keinem einzigen unfreundlichen Bosnier begegnet. Die Herzlichkeit war durchgehend echt und ohne Hintergedanken.
Werkstattnotfall: Mercedes Sarajevo gegen Mercedes Mostar
Irgendwann ging die Motorkontrollleuchte an, dazu spürbarer Leistungsverlust. Diagnose später: DPF-Sensor defekt.
Bei Mercedes in Sarajevo hat man mir eine Woche Wartezeit angekündigt, unfreundlich noch dazu. Bei Mercedes in Mostar war das Auto nach zwei Stunden repariert. Freundlich, unkompliziert, und der Mitarbeiter hat sich zusätzlich mühsam ans Telefon gehängt, um mir einen Ersatzreifen zu organisieren.
Denn dazu kam ein Reifenschaden: seitlich aufgeschlitzt, nicht reparabel. Mein Problem war die Größe. Offroad-Reifen dieser Dimension gibt es in Bosnien praktisch nicht einzeln, sondern nur im Vierer- oder Fünfersatz. Gelöst hat es am Ende Anis vom Baščica Restaurant mit angeschlossenem Camp. Der hat telefoniert, bis ein passender Reifen da war.
Was ich daraus mitnehme: Werkstätten gibt es. Ersatzteile für Standardfahrzeuge auch. Was fehlt, sind Spezialteile. Nimm einen Ersatzreifen mit, wenn du Offroad fährst. Nimm auch deine Reifenreparatur-Ausrüstung mit, kenne deine Reifengröße auswendig, und rechne damit, dass dir am Ende ein Mensch hilft und keine Kette. Die Hilfsbereitschaft der Bosnier war unglaublich und hat mich zu Tränen gerührt. Über Instagram haben mich wildfremde Menschen angeschrieben und Hilfe angeboten.
Was acht Wochen Bosnien gekostet haben
Kurz und ehrlich: Bosnien ist 40 bis 50 Prozent günstiger als Deutschland. Im Einzelnen:
- Diesel: 30 bis 40 Prozent günstiger als in Deutschland.
- Campingplatz: 10 bis 15 Euro pro Nacht, ab 20 bis 25 Euro teuer.
- Essen gehen: 10 bis 15 Euro für Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise und Getränk – in nicht-touristischen Orten. In Mostar oder der Altstadt von Sarajevo zahlst du mehr.
- Maut: zu vernachlässigen, weil das Autobahnnetz kurz ist.
Der Posten, der wirklich ins Geld ging, war die Anreise – Maut in Österreich und Slowenien und der teure Diesel bis zur Grenze. Im Land selbst ist Bosnien eines der günstigsten Reiseziele Europas.
Ist Bosnien mit dem Van sicher? Meine Erfahrung als Frau allein
Ja. Ich war acht Wochen allein mit meinem Hund unterwegs, viel davon im Hinterland, und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt bedroht gefühlt.
Der Unterschied zu 2024 war ich selbst. Beim ersten Versuch war ich überarbeitet und hatte den Kopf voller Warnungen. Ich habe jede Situation durch diesen Filter gesehen. 2025 bin ich nach der geführten Tour ohne diesen Filter losgefahren – und plötzlich waren dieselben Dörfer, dieselben Straßen und dieselben Menschen einfach nur Dörfer, Straßen und Menschen.
Zwei Dinge trotzdem klar benennen:
Minen. Das Thema ist real. Bosnien ist nicht flächendeckend geräumt. Die Regel ist einfach und nicht verhandelbar: Bleib auf Wegen, die befahren oder begangen aussehen. Betritt keine ungenutzten Wiesen, keine verlassenen Gehöfte, keine Waldstücke ohne Trampelpfad. Achte auf Warnschilder. Wenn du dich an Wege hältst, ist das Risiko sehr gering.
Sprache. Englisch funktioniert bei jüngeren Leuten und im Tourismus, auf dem Land oft nicht. Ein Übersetzer auf dem Handy und ein freundliches Gesicht lösen fast alles. Beim ersten Versuch war die Sprachbarriere für mich ein Angstfaktor. Beim zweiten fand ich raus, dass du auch mit Deutsch erstaunlich gut weiterkommst. Nach dem Krieg haben viele Bosnier in Deutschland Arbeit gefunden und sind inzwischen zurückgekehrt.
Die Ausreise nach Kroatien bei Izačić war die einzige echte Kontrolle der ganzen Reise. Der Van wurde intensiv durchsucht, Hund und Mensch mussten raus, alle Türen auf. Freundlich, aber sehr bestimmt. Gesucht wurde vermutlich nach Lebensmitteln, Käse und Ähnlichem. Die Palette Bier und den geschenkten Kanister Rakija haben sie gesehen und nicht beanstandet. Nach zehn Minuten war die Sache durch.
Für wen Bosnien ist – und für wen nicht
Bosnien passt zu dir, wenn:
- du Landschaft über Sehenswürdigkeiten stellst
- du mit Schotterpisten und schmalen Straßen umgehen kannst und willst
- du dich auf Menschen einlässt, mit denen du keine gemeinsame Sprache hast
- dir egal ist, ob es abends ein Restaurant mit Bewertungen gibt
- du bereit bist, Infrastruktur zu akzeptieren, die nicht auf dich ausgelegt ist
Bosnien passt nicht zu dir, wenn:
- du planbare Stellplätze mit Buchungsbestätigung brauchst
- dich fehlender Handyempfang stresst
- du gerade mental ausgebrannt bist und das ist der wichtigste Punkt
Genau das war mein Fehler 2024. Wer erschöpft losfährt, sucht unterwegs Sicherheit und nicht Erfahrung. Und Bosnien gibt dir keine Sicherheit, sondern Erfahrung. Wenn du gerade keine Kapazität hast, fahr an einen Ort mit Infrastruktur und komm ein Jahr später wieder. So habe ich es gemacht, und es war die richtige Entscheidung.
Was übrigens jedes Mal mitfährt: eine Reisa. Bei mir ist sie Einkaufstasche, Wäschesack und Transportmittel für Mitbringsel in einem. Sie ist aus LKW-Plane – aus Reststücken deutscher Logistikfirmen und aus gebrauchten Planen, die sonst entsorgt würden. Das Material ist abwischbar, und nach acht Wochen Bosnien war das keine Nebensache. Mehr davon findest du in den Upcycling-Taschen.
Wenn du wissen willst, wie das mit dem Ausbau bei mir aussieht: Ich habe über meine Komposttoilette im Wohnmobil geschrieben. Und wenn du lieber Richtung bekanntere Länder willst, hier ist mein Bericht über Sardinien mit dem Van im Herbst und Winter.
Wer ich bin und warum ich im Van arbeite, steht über tjuub.
Bosnien & Herzegowina hat mich tief berührt, und ich will auf jeden Fall wieder dorthin.
Häufige Fragen zu Bosnien mit dem Wohnmobil
Ist es in Bosnien erlaubt, mit dem Wohnmobil frei zu stehen?
Nein. Wildcampen ist in Bosnien und Herzegowina offiziell nicht erlaubt, in Nationalparks und Schutzgebieten ist es ausdrücklich verboten. In dünn besiedelten Regionen wird eine Nacht in der Praxis oft toleriert, aber diese Toleranz nimmt ab – am Orlovačko Jezero im Sutjeska Nationalpark gilt seit 2026 ein offizielles Verbot, nachdem zwei kommerzielle Rally-Gruppen dort Feuerstellen, Müll und zerfahrene Wiesen hinterlassen haben. Nutze die kleinen privaten Campingplätze für 10 bis 15 Euro pro Nacht.
Ist Bosnien für Camper sicher?
Ja. Ich war acht Wochen allein mit Hund unterwegs, viel davon im Hinterland, und habe mich nie bedroht gefühlt. Die Menschen sind ausgesprochen herzlich. Zwei reale Themen bleiben: Minen – deshalb ausschließlich auf befahrenen oder begangenen Wegen bleiben und keine ungenutzten Wiesen, verlassenen Gehöfte oder Waldstücke ohne Trampelpfad betreten. Und die Sprachbarriere, die sich mit einer Übersetzer-App lösen lässt.
Kann man mit dem Auto nach Bosnien fahren?
Ja. Aus Deutschland führt die Route über Österreich, Slowenien und Kroatien, zum Beispiel mit Grenzübertritt bei Slavonski Brod. Die Einreise ist unkompliziert, das Fahrzeug wird in der Regel nicht kontrolliert. Wichtig: Fahrzeuge über 3,5 Tonnen brauchen für Österreich eine GO-Box (rund 12 Euro Gebühr) und für Slowenien eine DarsGo-Box (rund 10 Euro) – beide separat, beide erhältlich an den Grenzstellen.
Kann man als Deutscher nach Bosnien reisen?
Ja. Deutsche Staatsangehörige brauchen für Aufenthalte bis 90 Tage kein Visum. Es genügt ein gültiger Reisepass oder Personalausweis. Bosnien und Herzegowina ist kein EU-Mitglied und gehört nicht zum Schengen-Raum, deshalb finden an der Grenze reguläre Kontrollen statt.
Was kostet die Maut in Bosnien für Wohnmobile über 3,5 Tonnen?
In Bosnien selbst gibt es keine Vignette. Auf den wenigen Autobahnabschnitten ziehst du ein Ticket und zahlst bei der Ausfahrt nach gefahrener Strecke, in Konvertibler Mark, in Euro oder meist mit Karte. Weil das Autobahnnetz kurz ist, fällt der Betrag kaum ins Gewicht. Teurer wird die Anreise: In Österreich und Slowenien fallen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen aus dem Vignettensystem und brauchen GO-Box beziehungsweise DarsGo, die nach Kilometern, Achszahl und Euro-Abgasklasse abrechnen.
Kann man mit Hund nach Bosnien reisen?
Ja. Du brauchst den EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung und einen Mikrochip. Bei der Ein- und Ausreise wurde das bei mir problemlos akzeptiert. Plane die Sommerhitze ein: In Herzegowina sind über 40 Grad normal, Städte wie Mostar sind mit Hund tagsüber kaum machbar. Such dir Campingplätze mit direktem Flusszugang, dann ist die Hitze beherrschbar. Rechne auch mit den Hirtenhunden vor Ort. Die Begegnungen sind meist unproblematisch, aber lass niemals Futter ins Spiel kommen, dann wird es unberechenbar.
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